Warum die Insel so grün ist — und welche Pflanze hier ein Problem ist

Das Erste, was Gästen auffällt, ist das Grün. Nicht ein Grün, sondern zwanzig verschiedene, übereinandergeschichtet bis zum Kraterrand. Das liegt an einer simplen Kombination: viel Regen, milde Temperaturen, nie Frost. Was hier in die Erde fällt, wächst.
Die zweite Beobachtung kommt meistens später: Das meiste davon ist gar nicht von hier.
Die Blumen, die jeder fotografiert
- Hortensien. Die blauen Hecken an den Straßenrändern sind das Wahrzeichen der Azoren — und trotzdem eingeführt. Dass sie hier so tiefblau blühen statt rosa, liegt am sauren, aluminiumhaltigen Vulkanboden. Blütezeit ist ungefähr Juni bis September; im Oktober sind sie durch.
- Agapanthus. Die blauen Kugeln auf hohen Stielen, die bei uns am Gartenrand stehen, kommen ursprünglich aus Südafrika. Auch sie blühen im Hochsommer.
- Ingwerlilie, portugiesisch conteira. Gelb-orange, stark duftend, überall an Böschungen. Sie sieht hübsch aus — und ist das größte Pflanzenproblem der Insel.
Warum die Ingwerlilie ein Problem ist
Die conteira kam im 19. Jahrhundert als Zierpflanze aus dem Himalaya. Sie bildet dichte Wurzelteppiche, unter denen nichts anderes mehr aufgeht, und verdrängt damit genau den Wald, der hier eigentlich hingehört: den Lorbeerwald, die ursprüngliche Vegetation der Azoren.
Von diesem Wald ist auf São Miguel nur noch wenig übrig, vor allem in den Höhenlagen im Osten rund um den Pico da Vara. Dort lebt der Priolo, der Azoren-Gimpel — einer der seltensten Vögel Europas. Vor gut zwanzig Jahren war er fast weg. Dass es ihn noch gibt, liegt an einem jahrelangen Naturschutzprojekt, das im Wesentlichen aus einer Arbeit besteht: Ingwerlilie ausreißen und heimische Pflanzen nachsetzen.
Wenn ihr also mal Leute mit Hacken im Unterholz seht — das ist der Grund.
Und die dunklen Blöcke an den Hängen?
Das sind Kryptomerien, japanische Zedern, in Reih und Glied gepflanzt. Sie sind das Bauholz der Insel und prägen das Landschaftsbild fast so stark wie die Hortensien. Dazwischen stehen Flächen mit hohem Mais — kein Lebensmittel, sondern Futter für die Kühe.
Was ihr im Oktober seht
Die Hortensien sind verblüht, die Agapanthus auch. Dafür leuchtet die Ingwerlilie noch, die Wiesen sind nach den ersten Herbstregen so grün wie im Frühjahr, und in den Gärten hängen Passionsfrüchte. Es ist nicht die Postkartenversion der Insel — aber ehrlich gesagt die angenehmere.
Hier seht ihr, wann das Haus frei ist.
Frank, Bärbel, Maren & Simon