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Cagarros: der Vogel, den ihr nachts hört

Das Casa de Sonho in der Abenddämmerung, dahinter Wolken über dem Atlantik

Fast alle Gäste fragen uns irgendwann danach. Meistens am zweiten Abend, halb belustigt, halb beunruhigt: Was ruft da nachts? Es klingt wie ein weinendes Kind, kommt von der Küste, und es sind viele.

Das sind die Cagarros — auf Deutsch Gelbschnabel-Sturmtaucher. Sie gehören zu den Azoren wie die Hortensien, nur dass man sie tagsüber nie zu Gesicht bekommt.

Warum man sie nur nachts hört

Cagarros sind Hochseevögel. Sie verbringen den Tag weit draußen über dem Atlantik und kommen erst im Schutz der Dunkelheit an Land, wo sie in Felsspalten und Erdhöhlen an den Klippen brüten. An Land sind sie ungeschickt und leichte Beute — deshalb die Nachtschicht. Und weil die Paare sich im Dunkeln wiederfinden müssen, rufen sie. Laut.

Von etwa März bis in den Herbst ist das jede Nacht zu hören. Wir mögen es inzwischen sehr; die ersten zwei Nächte wundert man sich, danach ist es einfach der Klang des Sommers.

Und dann kommt der Oktober

Im Oktober und November verlassen die Jungvögel zum ersten Mal ihre Höhle und fliegen hinaus aufs Meer. Sie orientieren sich dabei am schwachen Licht über dem Wasser — und genau das wird ihnen zum Verhängnis: Straßenlaternen, Hausbeleuchtung und Autoscheinwerfer sind heller. Die jungen Vögel werden geblendet, landen auf Straßen und Plätzen und kommen dort allein nicht mehr hoch.

Deshalb läuft auf den Azoren jedes Jahr die Kampagne SOS Cagarro. Wer im Herbst hier ist, kann mithelfen:

  • Abends nur so viel Außenlicht wie nötig. Wir machen in diesen Wochen die Gartenbeleuchtung früh aus.
  • Nachts langsam fahren, besonders auf den Küstenstraßen. Die Tiere sitzen gern mitten auf dem Asphalt.
  • Findet ihr einen Vogel: Nicht wegjagen und nicht ins Wasser werfen. Mit einem Tuch aufnehmen, in einen Karton mit Luftlöchern setzen, kühl und dunkel stellen — und uns Bescheid sagen. Es gibt in der Gemeinde offizielle Sammelstellen, von denen aus die Vögel wieder freigelassen werden.

Anfassen muss übrigens niemand Angst haben: Die Tiere beißen nicht, sie sind nur erschöpft.

Ein Tipp zum Schluss

Setzt euch an einem klaren Abend einfach mit einem Glas Wein in den Garten und macht das Licht aus. Erst kommen die Sterne, dann die Rufe von der Küste. Das gibt es so nur hier draußen.

Hier seht ihr, wann das Haus frei ist.

Frank, Bärbel, Maren & Simon